Aktiv für mehr Artenvielfalt

Tipps zum Artenschutz zum praktischen und sofortigen Umsetzen

Laut einer Eurobarometer-Umfrage empfinden mehr als 90 Prozent der Europäer eine moralische Verpflichtung, die biologische Vielfalt zu erhalten. Und sie haben Recht! Der Mensch braucht sauberes Trinkwasser, reine Luft, gesunde Nahrung, gutes Klima und eine lebenswerte Umwelt. Doch diese Service-Leistungen der Natur gibt es nicht ohne Schutz der biologischen Vielfalt. Damit schützen wir auch uns selbst.

 



Vogel des Jahres


Der Stieglitz - Foto: Frank Derer
Der Stieglitz - Foto: Frank Derer

(AS) Wer kennt ihn nicht den hübschen, farbenfrohen Stieglitz oder Distelfink? Er genießt große Sympathie bei den Menschen durch sein farbenprächtiges Federkleid und sein lebhaftes, munteres Wesen. Unverwech- selbar leuchtet seine rote Gesichtsmaske, eingerahmt von schwarzem und weißem Gefieder. Schwarz- gelb mit weißen Tupfen schimmern die Flügel und hellbraun Rücken und Bauch. Mit einem hellen, mehrsilbigen "stiglitt" oder "didlititt" verrät der Distelfink seinen zweiten Namen "Stieglitz." Er ruft also seinen Namen wie Kuckuck, Krähe und Uhu. Wenn im Winter ein kleiner Trupp Distelfinken ins Futterhäuschen einfliegt und sich an den Sa- menkörnern gütlich tut, freut sich jeder Betrachter. Diese Schön heit aus der Nähe zu sehen, ist ein Erlebnis. Der Stieglitz oder Distelfink wurde zum Vogel des Jahres 2016 gewählt. Diese Wahl ist eine zweifelhafte Ehre, denn der Natur- schutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogel- schutz in Bayern (LBV) wollen damit auf die missliche Lage dieses Vogels aufmerksam machen. Deutschlandweit ging sein Bestand in den letzten 25 Jahren fast um die Hälfte zurück. Auch im Donnersbergkreis ist sein Vorkommen seit Jahren rückläufig. Vier Vogelkundler der NABU- Kreisgruppe Donners- berg aus Albisheim, Bolanden, Höringen und Winnweiler kom- men übereinstimmend zu diesem Urteil. Hier die Gründe für seinen Rückgang: Dem Distelfink fehlt die Nahrung. Sein Tisch ist nicht mehr so reich gedeckt wie früher. Ihm fehlen wildblumenreiche Brachflächen mit Disteln, Kletten und Karden, deren Samen seine Lieblings- speise sind. Auch im öffentlichen Grün und in privaten Gärten werden Wildkräuter- als Unkräuter verrufen- einfach wegge- spritzt. Auf den Äckern vernichten Pestizide und Düngemittel seine Nahrungspflanzen. So wurde der Lebensraum des lebhaften Vogels enorm beschnitten. Dabei gibt er sich mit kleinen, sich selbst überlassenen Ecken in Gärten, an Sport- und Spielplätzen, an Acker- oder Straßenrändern schon zufrieden. Schon im März beginnt das Männchen mit dem Balzgesang. Damit will es einen Rivalen fernhalten und ein Weibchen anlocken. Hat er sein Ziel erreicht, dann bestimmt sie, wo es lang geht, denn das ganze Brutgeschäft ist Frauensache: Suche eines Nistplatzes hoch oben in einer Baumkrone, Bau des napfförmigen Nestes, Eierlegen und Brut. Dabei wird auch der angehende Vater aktiv, denn er füttert die werdende Mutter. In den ersten Lebenstagen "hudert" (wärmt) sie die nackten, blinden Kinder und füttert sie mit eingeweichten Samen, die der Vater im Kropf herbeibringt. Wenn die Jungen ausgeflogen sind, macht sich das Weibchen ein zweites Mal an die Arbeit: wieder alles Frauensache. Der sympathische Fink ist nicht gerne alleine. Die Geselligkeit geht ihm über alles. Das Männchen zeigt kein ausgeprägtes Revierverhalten, denn nur in unmittelbarer Nähe des Nestes duldet es keinen Artgenossen. Im Frühjahr bauen mehrere Weibchen ihre Nester in einen hohen Baum. Beim langweiligen Brüten halten sie gute Nachbarschaft und unterhalten sich miteinander. Ebenfalls im Frühjahr tun sich mehrere Männchen zusammen und singen im Chor. Zuweilen jubiliert auch ein ge- mischter Chor, denn bei Distelfinkens können auch die Damen singen , was in der Vogelwelt selten vorkommt. Das ganze Jahr über gehen die Vögel am Tag gemeinsam auf Nahrungssuche und abends wird in Schlafgemeinschaften in einem hohen Baum genächtigt. Darüberhinaus bringt das Leben im Schwarm noch weitere Vorteile. Ein angreifender Feind wird früher entdeckt, denn viele Augen sehen mehr als zwei. In dem Gewimmel des Schwarms kann der Angreifer nur sehr schwer einen Vogel herausgreifen. Die Schönheit seines Gefieders hat auch schon die Menschen früherer Zeiten beeindruckt. Im Mittelalter galten Stieglitze als beliebtes Motiv für Maler. Auf Gemälden mit der Gottesmutter zieht der Stieglitz oft die Blicke auf sich. So zeigt ein Gemälde des berühmten Malers Rafael die "Madonna mit Stieglitz."

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